~ Die Sonstigen Völker der Immerlande ~
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Als das Lied gesungen wurde, entstand die Welt und durch die Welt schlängelte sich das Wasser, der fruchtbare Geist des Lebens, das Blut der Flora und Fauna. Einigen Geistern der Welt gefiel das klare, blaue Wasser so gut, dass sie darin eintauchten, sich ihm anpassten und seine Sprache erlernten. Sie nahmen seine Form, seine Gedanken, seinen Lauf durch das Leben an und wurden zu seinen Geschöpfen. Erst waren sie gestaltlos, teilten ihren Körper mit dem Wasser, doch nach und nach nahmen sie Aussehen an, schlanke Leiber, durchscheinend wie zarte Feenflügel und so zerbrechlich wie dünnes Eis. Lange Jahrhunderte lebten sie in den Flüssen, Bächen, Seen und Tümpeln der Immerlande, bis schließlich einige den Weg in den Ildorel fanden und diesen als ihre Heimat auserkoren - denn die Welt, die sich unter seiner Oberfläche verbarg, war von solcher Schönheit und Einzigartigkeit, dass die Geister sie nie mehr verlassen wollten; sie hatte sich in ihre Herzen geschlichen. Als die ersten Menschen an den Ufern des Ildorel siedelten und den Geistern des Wassers begegneten, gaben sie ihnen ihren alten Namen und nannten sie Wasserfeen. Später übernahmen die Wasserfeen diesen Namen in ihrer eigenen Sprache und nannten sich fortan Asrai. Später hieß man sie gelegentlich auch ldorelnymphen und ihre Verwandten in den weiten der Ozeane Meergeister. Die Wasserfeen wurden im Ildorel sesshaft, lebten mit den Fischen und Tieren, die dort hausten, im Einklang und auch mit den Menschen verstanden sie sich. Die Jahre zogen dahin und die Geister des Wassers veränderten sich. Durch ihre Entscheidung, an einem Ort zu bleiben und nicht mehr der Strömung, dem Fluss des Lebens zu folgen, wurde die Bindung zum Wasser schwächer. Ihre Körper veränderten sich, wurden fester, und erlaubten ihnen so auch, an Land zu wandeln, wo sie mit den Menschen anbandelten und mit den Gütern, die ihnen der Ildorel schenkte, handelten.
Doch stets wenn Gefahr drohte, zogen sie sich in ihre Unterwasserwelt zurück und durch alle Zeitalter hinweg, wurden sie niemals in irgendwelche Kriege verwickelt, ebenso wenig, wie sie sich um die Veränderungen in den Immerlanden kümmerten. Es brauchte sie auch nicht zu kümmern, denn nur wenige Wesen fanden jemals heraus, wo die Asrai im Ildorel lebten. Es war im Dritten Zeitalter, als sie schließlich eine Stadt unter Wasser zu bauen begannen, eine Stadt an einem Ort, wo das Licht in tanzenden Strahlen den Grund erreichte und doch kein Schiff die höchsten Spitzen der Korallentürme erreichen konnte. Der Name, den die Asrai ihrer Stadt gaben, war Lehhãne, was in der Allgemeinsprache "Lichtertanz" bedeutet, und lange Zeit erfreuten sie sich ihres ruhigen, stillen Lebens dort. Sie lernten die Güter, die ihnen die Unterwasserwelt bot, zu nutzen und zu formen. So merkten sie schnell, wie man das Perlmutt der Muscheln verarbeiten konnte, wie viel Wert die Perlen für die Menschen hatten, wie man aus Korallen tödliche Speerspitzen herstellen konnte, oder aber aus Algen und anderen Unterwasserpflanzen heilende Salben bereitete. Doch mit dem Beginn der Zeit, als die Asrai begannen, Nahrung zu sich zu nehmen - vorerst nur aus reiner Neugierde -, veränderten sie sich erneut. Ihre wandelbaren Körper passten sich den neuen Lebensgewohnheiten an, und bald schon brauchten sie Nahrung und wurden ausserhalb des Wasser anfällig für Krankheiten. Lange war allein Ealara ihre Göttin, doch mit der Zeit, als sie mehr und mehr mit den Lebewesen des Landes zusammenkamen, lernten sie den Pantheon der Zwölf kennen und fanden Gefallen an ihm, besonders an Amur und seinen Archonen. Ihn setzten sie schließlich auch als ihren Hauptgott ein.
Einige der Wasserfeen begannen, intensiv dem Gott zu huldigen und übernahmen, ebenfalls wieder von den Menschen, das Priestertum - jedoch nicht in den strengen Formen, wie es viele Völker kennen. Sie glaubten vielmehr, Geschwister oder Kinder des Gottes zu sein, und durch ihr Leben im Wasser, fühlten sie sich ihm verbunden. Sie sprachen davon, dass seine Kraft durch sie fließe und in ihren Körpern lebe, und einige der Wasserfeen erlernten diese Macht zu nutzen. Diese Priester waren nicht bedeutender als alle Anderen, doch sie wurden dazu erhoben, das Volk mit ihren Kräften zu schützen, wo immer es nötig war und noch heute sind es die Priester, die als Wächter dienen. Das Volk wuchs und die Asrai wurden in den Immerlanden für ihre Schönheit und ihre einzigartigen Muschelarbeiten, Perlenketten und Perlmuttrüstungen bekannt. Ihre Gesänge am Grunde des Sees verzauberten so manchen Seefahrer und man erzählte sich, wenn des Nachts der Ildorel zu leuchten schien, dann wären dies die Wasserfeen, welche tanzten und musizierten. Es war am Ende des Dritten Zeitalter, als eines Tages der junge Magier Sedim der Asrai Ajeehmin begegnete. Er verliebte sich in die Asrai und bat sie, seine Frau zu werden. Sie jedoch lehnte ab, verhöhnte ihn und verschwand. Lange Zeit versuchte er unter allen Umständen, ihr Herz für sich zu gewinnen, doch sie blieb kalt und schickte ihn fort. Gedemütigt und zornig über diese Schande und die Arroganz der Frau, schwor sich der Magier Rache zu nehmen, Rache an ihr und allen ihrer Art. Er gestaltete einen Zauber und verkaufte seine Seele einem Dämon, um das Gelingen seines Vorhabens zu sichern. Mithilfe des Blutes Ajeehmins, die er so geliebt hatte, sprach er schließlich einen Fluch über ihr Volk aus. Fortan waren die Asrai dazu gezwungen, sich vom Lichte fern zu halten. Sollten jemals Shenrahs Strahlen ihre Körper erhellen, würden diese zu Tau werden und nur des Nachts, wenn Faêyris sanftes Antlitz das Land und das Wasser in silberne Schimmer hüllte, war es den Wasserfeen möglich, ihre tiefe Heimat am Grund des Ildorel zu verlassen. Sie mussten aus Lehhãne verschwinden und suchten Schutz am Ort der ewigen Ruhe, einem tiefen Höhlensystem im See nahe der Insel Nevis.
Viele Asrai stürzten
jedoch ob ihrer Sehnsucht nach dem Licht in Kummer und tiefe Trauer, und
einige wählten gar den Freitod. Nicht einmal die Priester vermochten
den Fluch zu lösen und das Volk versank in Schmerz und Melancholie,
sie verloren ihre Künste und gaben sich allein ihrem Unglück
hin. Jahrhunderte zogen über die Immerlande hinweg, und das Volk
der Wasserfeen wurde mehr und mehr zu einer hübschen Legende. Manchmal
allerdings hörten die Seeleute des Nachts ihren Klagegesang und hielten
die Töne für das Jammern der zurück gebliebenen Seelen
der einstigen Bewohner des Ildorel. Erst eine junge Novizin, Nehlsheje,
besass die Kraft, sich aufzumachen, um einen Zauber zu finden, der stark
genug war, den Fluch zu brechen. Des Nachts verließ die den See
und machte sich auf die Suche. Nach langen Jahren kehrte sie mit leeren
Händen zurück, doch sie hatte immerhin eine Prophezeiung gehört,
welche eine alte Druidin der Menschen ihr über ihr Volk geweissagt
hatte. Ihr sollt Shenrahs Antlitz erst dann wieder erblicken, wenn
die befreiten Tränen Ajeehmins sich mit Amurs Lebensblut vermischen.
Nehlsheje verbrachte den Rest ihres Lebens mit dem Versuch, den Sinn der
Prophezeiung herauszufinden, doch er blieb ihr verwehrt, und sie starb
als traurige Heldin ihres Volkes. Die Asrai wurden weniger, stiller und
hatten die Hoffnung längst aufgegeben, da nahm eine Nachfahrin Ajeehmins
die Suche nach einer Lösung erneut auf, und verliess ihr Volk mit
dem Versprechen, erst dann zurückzukehren, wenn sie den Fluch brechen
konnte. Sie wanderte durch die Welt und begegnete irgendwann einer alten
Drudenhexe, gebeugt von langen Jahrtausenden und doch gesegnet mit grosser
Macht. Die Hexe brach den Fluch für diese eine Asrai, weigerte sich
jedoch, dem ganzen Volk zu helfen, und so machte sich die Wasserfee auf,
alle übrigen Asrai zu jener Drude bringen. Doch sie hatte sich den
Weg, den sie gegangen war, nicht gemerkt und fand nicht mehr zurück
- und so ist das Volk bis heute von dem Fluch überschattet. |
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Die
Ildorelnymphen, Meergeister, Wasserfeen oder Asrai |