~ Große Völker der Immerlande ~


Die Oger  
 
 

Physische Erscheinung:
 
Oger, auch Halbriesen genannt, gehören zweifellos zu den größten zweibeinigen Wesen der Immerlande. Weibliche Oger erreichen dabei eine Körpergröße von etwa 2,50 bis 2,80 Schritt; die männlichen Exemplare dagegen können mit 2,70 bis 3,50 Schritt noch wesentlich größer werden. Beiden gemeinsam ist der schwere, sehr muskulöse und manchmal etwas plump wirkende Körperbau mit breiten, muskelbepackten Schultern, starken, säulenartigen Gliedmaßen, einem mächtigen Korpus und riesigen Füßen und Händen. Der Oberschenkel eines ausgewachsenen Ogermännchens kann dabei durchaus den Umfang eines Baumstammes erreichen.  
 
Oger besitzen eine sehr widerstandsfähige, manchmal fast ledrige Haut, die ihnen als natürlicher Schutzmantel gegen Witterungseinflüsse dient und selbst von Pfeilen oder kleineren Klingen nur schwer zu durchdringen ist. Auffällig ist bei manchen Exemplaren die starke Körperbehaarung an Brust, Armen und Beinen. Bartwuchs kommt dagegen relativ selten vor. Haut-, Haar- und Augenfarbe variieren stark und sind in den unterschiedlichsten Tönen vertreten; häufig sind Haarfarben von schmutziggrauem Blond, hellbraun oder rötlichbraun; die Augenfarbe ist meist ein helles Grau, Blau oder Grün; Oger mit sehr dunklen Augen und Haaren sind dagegen nur äußerst selten zu finden.  
   

Lebenserwartung und Widerstandskräfte:  

Die natürliche Lebensdauer eines Ogers beträgt etwa 180 bis 200 Jahre, wobei mancherorts auch Gerüchte über wesentlich ältere Exemplare kursieren. Oger haben ein sehr robustes Naturell und eine nahezu unverwüstliche Kondition, sie sind kaum anfällig für Krankheiten oder Witterungseinflüsse, und zeigen überdies eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit an ihre jeweilige Umgebung und ihren Lebensraum. In früheren Zeitaltern wurden sie oft gejagt und vertrieben, so dass sie gezwungen waren, sich in Gegenden niederzulassen, die von anderen Völkern gemieden werden oder gar als unbewohnbar gelten. Über Generationen hinweg haben sie gelernt, in jedweder Umgebung zurechtzukommen und dort ihr Auskommen zu finden, und sei sie noch so unwirtlich.  
 
Über ihre körperlichen Widerstandskräfte hinaus besitzen Oger auch eine angeborene Resistenz gegen Magie und Bezauberung. Zaubern, die ihre unmittelbare Umgebung betreffen, sind sie natürlich genauso ausgeliefert wie alle anderen Wesen, also auch ein Oger kann von einem magischen Feuerball getroffen werden. Doch sie sind nahezu immun gegen Beeinflussungen ihres Geistes; weder dulden sie empathisches Eindringen in ihre Gedanken, noch reagieren sie auf Zauber, die ihren Geist verwirren und beherrschen oder ihren Verstand beeinflussen sollen. Auch Illusionszauber und Beschwörungen prallen von ihnen einfach ab. So mancher Magier hat mit seinem Leben dafür bezahlt, dass er diese Fähigkeit außer Acht gelassen hat - ein Oger sieht niemals die magisch geschaffene Illusion, sondern stets nur das wirkliche Bild. Böse Zungen behaupten, wo kein Verstand wäre, könne auch keiner verzaubert werden - ob das der Wahrheit entspricht, sei jedoch dahingestellt.  
 

Besondere Fähigkeiten:    
Neben seiner angeborenen Magieresistenz sind es natürlich vor allem die gewaltigen körperlichen Kräfte, die einen Oger auszeichnen. Ob es darum geht, ausgewachsene Bäume zu entwurzeln, einen Ochsen mit einer Hand spazieren zu tragen oder tonnenschwere Steine herumzuschleppen - für einen Oger ist dies alles kein Problem. Oger sind unglaublich stark und besitzen enorme Muskelkräfte. Mag sein, dass Mutter Natur ihnen dies als Ausgleich dafür gegeben hat, dass sie weder besonders schnell, noch besonders schlau sind. Nicht, dass sie geistig minderbemittelt wären, sie sind nur manchmal etwas langsam und schwer von Begriff; geistige Beweglichkeit gehört demnach nicht unbedingt zu ihren Stärken.  
 

Kleidung und Schmuck:  

Die Kleidung der Ogervölker ist einfach, schlicht, und ihrem jeweiligen Lebensraum angepasst. Da die Halbriesen praktisch in allen Gebieten der Immerlande vertreten sind, ist auch ihre Kleidung recht vielfältig - vom knappen Lendenschurz eines Dschungelbewohners bis hin zu den dicken Pelzen der Nordleute ist alles zu finden. Meist ist die Kleidung aus den Materialien hergestellt, die sich in der Umgebung finden lassen und besteht aus Leder, Fellen, Pelzen oder grobgewebten Stoffen; das Schuhwerk ist - falls überhaupt vorhanden - oft nur aus Lederhäuten hergestellt, die um die Füße gewickelt werden. Schmuck tragen sie gern und häufig, wobei alles verwertet wird, was ihnen in die Finger kommt: Knochen, Federn, Perlen, glitzernde Steine, Zähne erlegter Tiere (oder Menschen), Lederschnüre, Schnitzwerk und vielerlei mehr.  
 

Restriktionen:
 
Es gibt kaum etwas, das ein ausgewachsener Oger fürchten muss. Was den meisten zu schaffen macht, ist der Aufenthalt in großer Enge, unter Tage oder in überfüllten Städten; solche Orte werden sie meiden, wenn es irgendwie möglich ist. Gegenüber Magie empfinden sie eine große Abneigung bzw. sind immun dagegen.  
 

Lebensgewohnheiten und Verhalten:  

Als missglücktes "Experiment" des Dunklen erblickten die Oger einst das Licht der Welt, seither haben sie sich über die gesamten Immerlande ausgebreitet. Sie sind in kleinen Sippen oder vereinzelt in beinahe allen Gebieten zu finden, wobei sie die Abgeschiedenheit weiter Grasländer oder unwegsamer Gebirge bevorzugen. Einige der Stämme ziehen wie Nomaden umher, schlagen primitive Lager in Gebieten auf, in denen sie problemlos Nahrung finden, und ziehen dann weiter zum nächsten ihrer Jagdgründe. Die meisten Oger leben mitsamt ihrer Sippe jedoch in kleineren Siedlungen. Da sie nicht unbedingt geschickte Baumeister sind, nutzen sie gern solche Örtlichkeiten, die sie ohne große Umstände bewohnbar machen können, etwa verlassene Ruinenstädte oder Höhlensysteme; auch Siedlungen aus einfachen Holzbauten sind bekannt. Oger brauchen nicht viel Komfort und geben sich auch mit primitivsten Verhältnissen zufrieden - ein Dach über dem Kopf, das sie vor Regen schützt, ein Schlaflager, ein üppiges Essen und genug zu Trinken, und sie sind die glücklichsten Wesen unter der Sonne. Oger sind simpel gestrickt und komplizierte Lebensweisen sind ihnen völlig fremd. Alle Geisteswissenschaften, kulturellen Errungenschaften oder die Lebensweise der Städter sind ihnen höchst suspekt. Ihr Leben ist einfach, beschränkt sich zumeist auf die Familie, auf den Nachwuchs und Beschaffung von Nahrung, aufs Jagen, Fallenstellen und Fischen. Oger leben in engen Familienverbänden und in kleinen Sippen aus sechs bis acht Familien zusammen. Sie organisieren ihr Leben gemeinsam, ziehen gemeinsam ihre Kinder groß, sind äußerst trinkfest und durchaus gesellig.  
 
Die Vorurteile gegenüber Ogern, sie seien aggressive, gewalttätige Menschenfresser, sind völlig aus der Luft gegriffen; die überwältigende Mehrzahl der Oger ist vielleicht etwas grobschlächtig und besitzt so gut wie keine Manieren, jedoch sind nahezu alle recht umgänglich und friedlich, es sei denn, sie oder ihre Sippe fühlen sich bedroht oder angegriffen, dann kann es durchaus passieren, dass ein Oger dem Bild des Menschenfressers gerecht wird. Oger haben ein stabiles Nervenkostüm und sind vor allem unglaublich faul und bequem, so dass es praktisch unmöglich ist, sie zu reizen oder zu provozieren - ist dies jedoch der Fall, so sollte man schleunigst die Beine in die Hand nehmen und die Flucht ergreifen, denn mit einem ernsthaft erzürnten Oger ist wirklich nicht zu spaßen. Fremden gegenüber verhalten sich Oger anfangs misstrauisch, da es jedoch kaum etwas gibt, das sie tatsächlich fürchten müssen, wird das Misstrauen meist recht schnell abgelegt und weicht einem neutralen bis freundlichen Verhalten. Sie greifen gern zu derben Sprüchen und Flüchen und besitzen ein reichhaltiges Repertoire deftiger Schimpfwörter, sie trinken gern, sie essen gern, sie feiern gern und besitzen durchaus Humor, obwohl einige Exemplare doch recht bärbeißig und griesgrämig sein können. Nicht umsonst nennt man sie manchmal die "Zwerge unter den großen Völkern", wobei nicht ihre Körpergröße gemeint ist, sondern ihre polternde, laute und oft recht ungestüme Art. Im Grunde ihres Herzens sind Oger jedoch freundliche und friedliche Wesen, die zu Unrecht oft als plumpe Monster beschimpft werden.  
 

Religion:  

Die Götter der Immerlande sind den meisten Ogervölkern herzlich egal. Natürlich wissen sie von ihrer Existenz und würden wohl niemanden verurteilen, der einem Götterglauben anhängt, aber im Grunde vertrauen sie lieber auf ihre eigene Kraft und auf die Stärke ihrer Sippen, als ihre Geschicke von übernatürlichen Mächten abhängig zu machen. Wenn sie überhaupt einen Gott verehren, dann wohl am ehesten Bran, den Gott der Stärke und des Mutes. Auch die beiden Naturgöttinnen Amitari und Anukis genießen oft ein recht hohes Ansehen. Oger bauen jedoch keine Tempel oder Weihestätten; derlei Gebäude sind ihnen unwichtig.  
 

Sprache(n):  
 
Viele Oger, vor allem jene, die sich aus der Abgeschiedenheit ihrer natürlichen Lebensräume hinaus in die Zivilisation gewagt haben, beherrschen mittlerweile die Allgemeinsprache. Die meisten Vertreter dieser Rasse jedoch bedienen sich eines unmöglichen Kauderwelsches, einer Mischung aus der ursprünglichen Sprache der Oger, verschiedenen Dialekten ihrer Sippen und der Landstriche, in denen sie ihre Behausungen haben. Eine allgemein gültige Ogersprache gibt es jedoch nicht.  
 

Heimatländer:

Die ursprüngliche Heimat der Oger liegt am südlichen Ende des Wyrmschwanzgebirges, in den Ogerhöhen bei Wyrmende, und noch heute leben dort die meisten von ihnen, obwohl sie mittlerweile auch über die restlichen Immerlande verbreitet sind.
 

Vorurteile:  
   
Oger hegen praktisch gegen alles und jeden Vorurteile, was hauptsächlich wohl an ihrer zurückgezogenen Lebensweise liegt. Alles, was ihnen fremd ist oder als Bedrohung erscheint, wird zunächst einmal mit Misstrauen beäugt und abgelehnt. Eine besondere Abneigung empfinden sie gegenüber lauten Städten, allzu großen Menschenmengen und vor allem gegenüber den Elfenvölkern. Als stabil gebauten, robusten und kraftstrotzenden Kreaturen sind den Ogern naturgemäß diese ätherischen - und in ihren Augen klapperdürren - Wesen äußerst suspekt, wie alles, was sich mit einem Schnauben aus ogergroßen Nasenlöchern einfach umpusten lassen würde. Eine Menge Vorurteile haben sie auch gegenüber der Magie, mancher Oger reagiert darauf geradezu allergisch. Doch so misstrauisch und vorurteilsbehaftet ein Oger auch ist - er ist gleichzeitig auch furchtbar neugierig und wird sich, was seine (oft eingebildeten) Abneigungen betrifft, auch gern eines Besseren belehren lassen. Nicht wenige Halbriesen pflegen mit Elben auch innige Freundschaften oder leben gar in engen Städten, was beweist, dass sich Vorurteile durchaus auch wieder ablegen lassen.  
   

Übliche Berufe:
   
Manche Ogerstämme sind sesshaft geworden, manche ziehen jedoch in einer Art Nomadendasein umher. Innerhalb ihrer Sippen sind sie schlichte Jäger und Sammler, und oft auch begeisterte Feilscher und Tauscher. Sie beherrschen grundlegende Werkzeuge und Gerätschaften und wissen ihr Leben recht angenehm zu gestalten. Einen "Beruf" zu haben, ist in einer Ogersippe gar nicht notwendig; alle Arbeiten werden geteilt und jeder tut das, was er am besten kann. Sollte ein Oger seine Sippe verlassen und in die Verlegenheit kommen, sich irgendwo draußen in der weiten Welt seinen Lebensunterhalt durch Arbeit verdienen zu müssen, so wird er naturgemäß einen Beruf wählen, in dem Kraft und Stärke gefragt sind. (Wären Geist und Intelligenz gefragt, so würde er vermutlich verhungern müssen.) Oger sind in allen körperlich anstrengenden Berufen zu finden, oft als Lastenträger, Leibwächter, Hafenarbeiter, sogar als Matrosen, als Müllerburschen, Fuhrleute, Viehhirten, als Sappeure oder Söldner in der Armee, im Bergbau oder bei der Feldarbeit - in allen Berufen, bei denen er mit seiner Muskelkraft glänzen kann, wird ein Oger sich wohlfühlen. Mit ihrer Liebe zur Natur und zu allem, was wächst, sind sie auch oft als Waldhüter oder Gärtner zu finden.  
 

Waffen und Rüstungen:  

Es gibt - außer den echten Riesen und einem scharf geschliffenen Breitschwert - kaum etwas, das ein Oger fürchten muss, deswegen ist es für ihn gar nicht notwendig, sich in schwere Rüstungen zu hüllen. Überdies bietet ihm seine widerstandsfähige Haut einen recht nützlichen natürlichen Schutz. Getragen werden - wenn überhaupt - Rüstungen aus gehärtetem und metallbeschlagenem Leder, stabile, eisenverstärkte Holzschilde, manchmal auch metallene Arm- und Beinschienen und einfache Helme. Ein Oger würde sich jedoch kaum in einen Plattenpanzer zwängen - ganz abgesehen davon, dass die Kosten für eine solche Rüstung bei der Körpergröße und Leibesfülle eines Ogers ins Unermessliche schnellen würden.  
 
Waffen tragen sie jedoch recht gern, vor allem solche, bei denen schiere Körperkraft gefragt ist. Mit eleganten Schwertern oder leichten Bögen vermag ein Oger kaum umzugehen (und es würde auch unglaublich albern aussehen), dafür beherrscht er Wucht- und Schlagwaffen wirklich meisterlich und mit tödlicher Präzision. Beliebt sind Knüppel und gewaltige Keulen, schwere Streitäxte, Kriegshämmer, Morgensterne und Flegel; gelegentlich auch Stangenwaffen wie Speere oder wuchtige Hellebarden. Ein Oger versteht jedoch auch ohne Waffen und mit bloßen Fäusten zu kämpfen. In den meisten Fällen reicht dies auch völlig, denn wo ein ausgewachsener Oger hinschlägt, da wächst mit Sicherheit kein Gras mehr.

 

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