~ Die Bücher der Immerlande ~

 

Der Sprache waren die immerländischen Völker schon seit jeher mächtig, die Schrift jedoch hielt erst Einzug in ihren Kulturen, als Ogh der Reimer von seinem Gott Lyr den Auftrag erhielt, Zeichen zu erschaffen, mit denen sich ihre Worte und ihr Wissen, ihre Geschichten und Legenden niederschreiben ließen. Seit jenen frühen Tagen, die nun schon viele Zeitalter zurückliegen, existiert in den Immerlanden auch Schriftgut, und die beispiellose Geschichte des geschriebenen Wortes nahm hier ihren Anfang. Nahezu alle zivilisierten Völker des Kontinents kennen die Schrift, doch längst nicht jeder ist des Schreibens mächtig, und nicht jedes Volk geht so weit, das eigene Schriftgut auch noch zu sammeln oder gar in Bücher zu binden. In einigen ursprünglichen Kulturen werden Überlieferungen nach wie vor nur mündlich weitergegeben und das Wissen vieler Generationen wird allein im Gedächtnis ihrer Nachfahren bewahrt. Auch Wesen wie beispielsweise den Feen, den Ogern oder den Nargen bedeuten Bücher und Schriftstücke wenig, obwohl etliche von ihnen des Schreibens kundig sind. In den meisten Zivilisationen jedoch sind Sammlungen von Schriften – in welcher Form auch immer – ein wesentlicher Bestandteil der Kultur, der Identität und des täglichen Lebens.
 
Wann das erste Buch entstand, verliert sich in den Nebeln der Zeit, doch es ist sicherlich schon viele tausend Jahre her. Einige der ältesten Werke aus der Frühzeit der Schrift wurden in der legendären Siffer Chessed Bibliothek zu Qum'Ran aufbewahrt, gingen jedoch am Ende des Vierten Zeitalters während des Großen Krieges verloren, so dass von frühen Schriftwerken allerhöchstens noch Fragmente erhalten sind, die mittlerweile weit über den Kontinent verstreut sind. Tragisch ist dies vor allem, weil viele Bücher aus der Frühzeit des immerländischen Schriftgutes tatsächlich nur in einem einzigen Exemplar existierten, und mit dem Verlust eines solchen auch all das Wissen verloren ging, das darin enthalten war.
 
Im Laufe der Zeit ist man dazu übergegangen, von jedem größeren Werk mehrere Abschriften zu fertigen und auch die Methoden der Herstellung, der Aufbewahrung und der Verbreitung haben sich allmählich gewandelt. Noch immer sind Bücher in den Immerlanden kostbar und immens teuer, doch wo sie in lange vergangenen Zeiten nur Gelehrten, Fürsten und Königen vorbehalten waren, sind sie heute vielerorts auch der Öffentlichkeit zugänglich und werden in großen Bibliotheken aufbewahrt, zu denen auch das gewöhnliche Volk Zugang hat. Dienten Bücher anfangs meist dem Festhalten bestimmten Gelehrtenwissens, so gibt es mittlerweile so viele unterschiedliche Arten wie es Sippen und Völker gibt. Die Niederschrift gesammelten Wissens macht noch immer einen großen Teil des Inhalts aus, doch werden Bücher auch dazu benutzt, historische Ereignisse oder Gesetzesbeschlüsse festzuhalten, sie dienen zum Eintragen von Grundbesitz, als Chronik oder Logbuch, als Rechenhilfe für Kaufleute, als Kartensammlung und natürlich als Grimorium für Magier und andere Zauberkundige.
 
In unserer jetzigen Zeit, also zu Anfang des 5. Zeitalters, beginnt sich gerade ein Wandel zu vollziehen, der auf einer genialen Erfindung beruht: dem Drucken mit beweglichen Lettern. Diese Kunst steckt noch in den Kinderschuhen, doch schon jetzt kristallisiert sich allmählich heraus, dass diese Neuerung bahnbrechend sein wird. Die Herstellung eines Buches, die durch das Schreiben von Hand bislang mühsam und zeitraubend vonstatten ging und die Kosten für ein solches Werk in schwindelnde Höhen trieb, wird dadurch immens vereinfacht. Auch die Herstellung eines leichten, beschreibbaren Papieres und die Nutzung von einfachen Papiermühlen nehmen in der heutigen Zeit ihren Anfang und werden in Zukunft gewiss das ihre dazu beitragen, Bücher erschwinglicher zu machen und weiter zu verbreiten.

 

Buchkunst der Immerlande
Verbotene Bücher
Große Bibliotheken