~ Material und Herstellung ~
In den Anfängen der Schriftensammlungen kannte man in den Immerlanden nur Papyrus und Pergament, die zur Aufbewahrung gerollt und vielleicht noch verschnürt, versiegelt oder in Köchern gelagert wurden. Das war bei größeren Mengen an Schriftgut natürlich furchtbar unpraktisch und so dauerte es nicht lange, bis die ersten 'Bücher' auf dem Kontinent auftauchten. Diese einfachen Kodices waren noch recht simple Gebilde und bestanden oft nur aus ein paar zurechtgeschnittenen Bögen Pergament, die in der Mitte gefaltet und mit einem Faden geheftet waren. Im Gegensatz zu den umständlichen Pergamentrollen stellten sie jedoch schon einen enormen Fortschritt dar. Mit der Verbreitung der Schrift und dem ständigen Anwachsen des Wissens, das für die Nachwelt festgehalten werden sollte, wuchsen auch die Ansprüche und die Bücher wurden dicker, komplexer und aufwändiger. Auch wurde im Lauf der Zeit nicht mehr nur Pergament verwendet, sondern auch das neuartige Papier, das billiger in der Herstellung war und sich leichter beschreiben ließ. Die Bücher bestanden nun nicht mehr aus lose gehefteten Seiten, sondern erhielten auch stabile Deckel, eine sorgfältigere Heftung, und wurden auf allerlei Weise verschönert und verziert, sehr kostbare Exemplare gar mit Edelsteinen geschmückt und mit wundervollen Illustrationen versehen. Die Materialien, die beim Herstellen von Büchern in den Immerlanden verwendet werden, sind unter anderem folgende: Papyrus Als Papyrus (Pl. Papyri) bezeichnet man flache, beschreibbare Bögen, die aus den Fasern der Papyruspflanze hergestellt werden. Papyrusstauden sind im Süden der Immerlande heimisch, vorwiegend auf den warmen Südmeerinseln, an den tropischen Küsten Azuriens und der Rubinküste sowie in den Elbenlanden. Das Mark der kräftigen Papyrusstängel wird dabei in schmale Streifen geschnitten, miteinander verflochten, zu einem flachen Blatt gepresst und geklopft, und anschließend getrocknet. Der klebrige Pflanzensaft, der beim Klopfen aus den Fasern austritt, hält das Blatt dabei so fest wie Leim zusammen. Papyri sind vor allem bei den urtümlichen Völkern des Südens wie den Uuma oder den Ashaninka bekannt. Pergament Pergament wird wie Leder aus Tierhäuten hergestellt, allerdings werden die rohen Häute nicht gegerbt, sondern in Kalklauge gelegt und anschließend geschabt und von Haar- und Fleischresten gereinigt. Nach dem Trocknen wird die Haut sorgfältig mit Bimsstein und scharfen Klingen geschliffen und geglättet. Für die Herstellung feinsten Pergaments eignen sich am besten die Häute von Schaf und Ziege, es werden jedoch auch Rinder- oder Kalbshäute verwendet. Die Herstellung ist mühsam und gutes Pergament auch reichlich teuer, wenn man bedenkt, dass aus einer Lämmerhaut gerade mal ein größerer Bogen gewonnen werden kann. Es ist in den gesamten Immerlanden bekannt und gebräuchlich. Papier Im Gegensatz zu Pergament wird Papier aus Pflanzenfasern hergestellt und ist somit entsprechend billiger in der Herstellung. Obwohl das seit Menschengedenken bekannte Pergament wohl immer ein wichtiger Rohstoff für das immerländische Schriftgut bleiben wird, läuft das verhältnismäßig junge Papier ihm allmählich den Rang ab, vor allem im Hinblick auf den neuartigen Buchdruck, der sich mittlerweile immer weiter auf dem Kontinent verbreitet. Es gibt viele unterschiedliche Arten von Papier, je nachdem, aus welchen Rohmaterialien es gewonnen wird. Grob lässt sich Papier in Hadernpapier und Faserpapier unterteilen. Hadernpapier wird in der Hauptsache aus zerkleinerten, zerstampften Lumpen (Hadern) hergestellt, Faserpapier zumeist aus den Fasern eigens dafür angebauter Pflanzen wie Hanf oder Leinen. Darüber hinaus kennt man noch Papier aus den bei der Seidenspinnerei anfallenden Seidenresten, sogenanntes Seiden- oder Spinnenpapier, Papiere aus Haferstroh, aus Lindenbastfasern und aus vielen anderen Materialien. Bei der Herstellung werden die verwendeten Fasern, gleichgültig ob nun Lumpen oder Pflanzenteile, fein zerkleinert, gestampft und geschlagen, bis sie völlig zerfasert sind. Bislang war dieser Vorgang mühselig und zeitraubend, da er nur in Handarbeit durchgeführt wurde, doch neuerdings beginnen sich sogenannte Papiermühlen durchzusetzen, eine Erfindung Joslin Brackels, eines findigen Papiermachers aus Hellegrynd im Süden der Rhaínlande. Wie bei einer Getreidemühle werden die Mühlräder durch fließendes Wasser angetrieben, allerdings setzen sie kein Mahlwerk in Gang, sondern eisenbewehrte Stampfen, die das Zerkleinern übernehmen. Die so gewonnenen Rohfasern werden mit viel Wasser angesetzt und in großen Bottichen, auch Bütten genannt, zu einem dünnen Brei vermischt. Anschließend hebt man sie mit einem flachen, rechteckigen Sieb heraus, lässt das Wasser abtropfen und presst die dünne, im Sieb verbliebene Schicht Papierbrei zu flachen, feinen Bögen, die dann getrocknet und schließlich geleimt werden. Feder und Tinte Die gebräuchlichste Tinte in den Immerlanden ist seit langer Zeit die Eichengallustinte. Grundstoff für diese Flüssigkeit sind Eichengallen oder Galläpfel, die an der Unterseite von Eichenblättern als Reaktion des Baumes auf dort abgelegte Eier der Gallwespe entstehen, sie enthalten einen großen Anteil Gerbsäure. Die Gallen werden mit Eisenvitriol und Harz als Bindemittel, etwa Kirsch- oder Pflaumengummi, gemischt und alles fein zermahlen, anschließend mit Wein oder Essig aufgekocht. Die so entstandene Tinte hat eine ausgesprochen kurze Trockenzeit, ist wischfest und sehr haltbar. Des weiteren kennen die immerländischen Völker auch die sogenannte Dornentinte aus der Rinde des Weißdornstrauches, ebenso verschiedene einfache Tinten aus Lampenruß und Baumharz. Als Schreibgeräte werden zumeist die Kiele von Gänsefedern verwendet, die entweder roh belassen oder zum Härten in heißem Sand erhitzt werden. Anschließend werden sie mit einem scharfen Federmesser angespitzt. Andere Materialien Zum Verzieren des Schriftgutes werden häufig farbige Initialen, Miniaturen und Illustrationen gezeichnet, die mit feinen Pinseln aus Marderhaar und verschiedensten Farben aufgetragen werden. Hier kennt die Phantasie der Buchmaler und Illuminatoren, was die Gewinnung der Farbstoffe angeht, praktisch keine Grenzen. Als Grundstoffe dienen hier verschiedene Harze, Öle und Eiweißmischungen, die mit allerlei Pigmenten vermengt werden wie beispielsweise gebrannte Erde, Ocker und Terrakotta, oder auch exotischere und teurere wie echter Purpur, Indigo oder gar Lapis- und Bergblau, die aus gemahlenen Edelsteinen gewonnen werden. Auch für Einband und Deckel eines Buches werden verschiedene Materialien benötigt. Die Buchdeckel werden zumeist aus Holz oder steifem Papier gefertigt und mit Lederhäuten, Pergament oder Stoffen überzogen. |