~ Die Zeitmessung der Immerlande ~

Die Zeit ist der Herzschlag der Ewigkeit......

Die Ewigkeit war, ist und wird immer sein, die Zeit selbst jedoch wurde geboren in jenem Augenblick, als Sonne und Mond am unendlichen, schwarzen Firmament emporstiegen und mit ihnen das Leben auf Rohas weitem Rund. Mit der Geburtsstunde der Zeit nahm auch das Erste Zeitalter, das Zeitalter der Morgendämmerung seinen Anbeginn und zugleich das Bedürfnis der noch jungen Wesen, sie festzuhalten, sie zu messen, sie zu nutzen, und sie in den Chroniken ihrer Völker niederzuschreiben und zu bewahren. Die Zeit, das erkannten bereits die ersten Bewohner des Kontinents, konnte man jedoch nur messen, wenn man die Bewegungen der Himmelskörper, der Sonne, der Monde und der Sterne, betrachtete. Aber es waren sehr viel feinere Unterteilungen notwendig, um die Zeit für das tägliche Leben einzuteilen und sie anwendbar zu machen. Nach der Einordnung in Jahresläufe kamen später auch die genaueren Messeinheiten der Monde, Siebentage, Tage und Stunden dazu und lösten die bislang genutzten, oft mehr als ungenauen Zeiteinheiten ab, die sich beispielsweise im Abstand zwischen zwei Markttagen, im Zeitraum, den es dauerte, einen Topf Hirsebrei garzukochen und anderen kuriosen Maßeinheiten berechneten.

Die Immerländischen Weisen und Gelehrten zerbrechen sich auch seit jeher die Köpfe darüber, wie sich Zeit genau erfassen und berechnen lässt. Die ersten Beobachtungen und Einteilungen waren noch ziemlich primitiv und die Zyklen, die die Völker Rohas zu erfassen imstande waren, waren weitläufig und ungenau und richteten sich in erster Linie nach dem Lauf der Sonne und des Mondes oder anderen, sich periodisch wiederholenden Naturereignissen. Auf diesen Grundlagen sind auch die ersten Kalendarien entstanden, die auf Beobachtungen und Aufzeichnungen der ältesten Völker, der Elben, der Kobolde, Feen, Zentauren und Faune, beruhen, die unter anderem auch bedeutende Observatorien zur Beobachtung des Himmels und der Sterne gründeten und eine genaue Zeiterfassung so vielerorts erst ermöglichten. In den gewaltigen Weiten der Immerlande wurden zunächst auch viele unterschiedliche Kalendarien benutzt, je nach Volk, Region, Kultur, Zweck und Wissensstand. Erst im Vierten Zeitalter fand der sogenannte Sûrmerische Kalender auf dem gesamten Kontinent Verbreitung und zum ersten Mal in ihrer langen Geschichte erhielten die Immerlande eine einheitliche Zeitrechnung, die noch heute Gültigkeit hat.

Kalendarien waren vor allem wichtig, um bestimmte Daten vorausberechnen zu können, wie etwa die Zeiten der Aussaat und Ernte, bedeutende Ritual- und Feiertage, das Auftreten von Regenzeiten, Monsunwinden und Dürreperioden, Sommer- und Winterbeginn und andere markante und für das Alltagsleben wichtige Ereignisse. Im Lauf der Jahrhunderte wurde die Zeitmessung immer mehr verfeinert und die ersten primitiven Uhren entstanden, wobei die ältesten - und vielerorts noch immer gebräuchlich - die Sonnenuhren waren. Einfachste Sonnenuhren waren die sogenannten "Schattenstäbe" mit einer groben Unterteilung des Tages, die im Lauf der Zeitalter immer präziser wurde. Der größte Schattenstab der Immerlande befindet sich noch immer auf der Insel Sidhauris, der Insel des Lichts, im Archipel der Sidh' Amriel. In den gewaltigen Anlagen des dortigen Shenrahtempels thront auf einem Hügel ein gut hundert Schritt hoher, schlanker, kristallener Obelisk - Shenrahs Sonnenspeer - , dessen Licht den Himmel erfüllt und dessen Schatten auf einem marmornen Ziffernblatt, das die Hügelkuppe bedeckt, die Zeit anzeigt.

Neben Sonnenuhren, die überall in den Immerlanden gebräuchlich sind, gibt es auch Wasseruhren, mit denen sich eine recht genaue Zeiteinteilung vornehmen lässt. Dabei wird die Durchflussdauer des Wassers - gelegentlich auch die von Öl - von einem höher gelegenen in einen niedriger gelegenen Behälter gemessen. Wasser- oder Öluhren sind allerdings nicht so weit verbreitet wie die Sonnenuhren, denn sie sind kaum transportabel und bedürfen ständiger Wartung. In einigen Gebieten der Immerlande werden auch Uhren aus Öllampen verwendet. Das Öl befindet sich dabei in einem Glasbehälter und wird über einen Lampendocht abgebrannt, wodurch der Flüssigkeitsstand sinkt und sich die dafür benötigte Zeit auf einer Messskala auf dem Glas ablesen lässt. Eine weitere, einfache Uhr ist die Sanduhr, bei der feiner Quarzsand durch eine Engstelle von einem Glaskolben in einen darunter liegenden rieselt. Der Nachteil einer Sanduhr ist der, dass sie nach jedem Durchlauf wieder gedreht werden muss, sie eignet sich deswegen hauptsächlich zum Festhalten eines kurzen Zeitraums und weniger für eine dauerhafte Zeitmessung. Ein recht simpler und ziemlich weit verbreiteter Zeitmesser ist auch die Stundenkerze, bei der anhand ihrer Brenndauer und einer Skala die Zeit festgehalten wird.

Mit dem Fortschreiten von Wissen wurden auch die Uhren allmählich genauer - und komplizierter. Eines der ersten mechanischen Geräte zur Zeiterfassung war dabei das Astrolabium, das eine sehr genaue Messung ermöglicht und später auch in der Seefahrt und Navigation Verwendung fand. Dabei ist an einem Ring eine Scheibe mit drehbarem Radius angebracht, mit deren Hilfe sich die Höhe der Sonne und der Sterne messen und somit eine genaue Sonnen- oder Sternzeit feststellen lässt. Mittlerweile haben Gelehrte die ersten mechanischen Uhren entwickelt, monströse Ungetüme, die noch sehr selten zu finden sind und nur in wenigen großen Städten mit ihren Skalen und Ziffernblättern die Fassaden von Tempeln, Türmen und wichtigen Gebäuden schmücken.