~ Die Sternbilder ~



~ Das Sternbild der Spitzhacke ~

Das Bild der Spitzhacke, das Loignar, dem Herrn des Bergbaus, der Erze und Metalle, gewidmet ist, zählt zusammen mit Kenens Schneekristall zu den kleinsten Sternbildern am nächtlichen Himmel. Es leuchtet Seite an Seite mit dem Sternbild des Hammers und oft wirkt es, als würden beide zu einem verschmelzen. Die Spitzhacke, die nur aus fünf Sternen besteht, von denen zwei ihren Griff darstellen, steht als Symbol für den unerschöpflichen Reichtum an Erzen, Metallen, Mineralien und Edelsteinen, der sich unter Rohas rauer Hülle verbirgt und sich ihr nur schwer und unter Mühen abtrotzen lässt. Gleichsam soll es als leuchtendes Sinnbild die fleißigen Bergarbeiter und Steinhauer dabei unterstützen, reichhaltige Erzadern und Edelsteinminen zu finden und erinnert an die unzähligen Opfer, die Grotten und Höhlen, tiefe Schächte und Minen gefordert haben.

Die Spitzhacke (c) by Immerlan.de





~ Das Sternbild des Stiers ~

Von Thorosh dem Unbeugsamen, einem Archonen Brans, dem Herrn über Ausdauer und Waffentreue, Sturheit und Unerbittlichkeit, geht die Sage im Land, dass er vor vielen Zeitaltern einen Kampf gegen einen riesigen, geheimnisvollen Stier mit seltsam blauschimmernden Augen und weit ausladenden Hörnern, spitz und scharf wie tödliche Dolche, ausfocht. Beide kämpften so hart und verbissen, wie es in ihrer Natur lag, und keiner von ihnen wollte auch nur einen Fingerbreit nachgeben. Erst nach langen Tagen, als Thorosh und sein gehörnter Gegner nahezu am Ende ihrer Kraft angelangt waren, näherte sich der Kampf dem Ende und dem silberbärtigen Archonen gelang der alles entscheidende Treffer. Mit seinem mächtigen, silbernen Kriegshammer "Zermalmer" zerschmetterte er dem Stier den halben Schädel. Als das Tier sterbend zu Boden sank, erlosch schließlich auch sein einzig verbliebenes Auge und zerbarst in sieben Teile, die schimmerten wie leuchtend blaue Saphire. Thorosh starrte auf den toten Stier hinab und großer Kummer überkam ihn, denn mit ihm hatte er auch den ausdauerndsten, unerbittlichsten und ehrenhaftesten Gegner getötet, gegen den er je gekämpft hatte. Um seiner Kraft und seiner Ausdauer ein würdiges Denkmal zu setzen, bat er die Götter, ihn zu seinen Ehren an den Himmel zu bannen. Seit dieser Zeit prangt das Sternbild des Stieres am nächtlichen Firmament. Sein Auge, das aus sieben eng zusammenstehenden, blausilbern schimmernden Sternen gebildet wird, strahlt besonders hell und ist weithin zu sehen. In der Sprache der Elben heißt der strahlende Sternhaufen "Syolyres", was "Siebenstern" bedeutet, und auch das Freie Volk der Eisöden, hoch im Norden der Immerlande, das dem Siebengestirn besondere Bedeutung zumisst, hat einen Namen dafür, sie nennen es "Qilluttuusat".

Der Stier (c) by Immerlan.de





~ Das Sternbild der Stürme ~

Das Bild der Stürme, das jede Nacht über den samtschwarzen Himmel wandert, ist ein Sternenwirbel aus vielen tausend glitzernden, kleinen Gestirnen. Vendis der Launische, der Gott der Winde und Stürme, der Atem Ealaras, bannte es einst an das Firmament als Zeichen seiner Macht und als Symbol für die Kraft der Winde. Und so wechselhaft wie die Winde, die sich einmal als zarter Lufthauch über das Land legen, ein andermal in Gestalt tobender Orkane alles verwüsten, was sich ihnen in den Weg stellt, so wechselhaft ist auch das Sternbild und erscheint einmal als winziger, eng zusammengedrängter Wirbel, ein andermal als weite Teile des Himmels bedeckende Spirale. Viele Geschöpfe beten zu Vendis' mächtigem Sternbild, um sich seine Gunst zu sichern, um gute Winde für Seefahrt und Ackerbau zu erbitten und um schlimme Stürme abzuwenden.

Die Stürme (c) by Immerlan.de





~ Das Sternbild der Tiergeister ~

Tapio Bärkönig, der Sprecher der Wildtiere und Herr der Totems und Tiergeister, forderte einst vom Pantheon der Götter einen Platz am nächtlichen Himmelszelt, um mit seinem Sternbild ein Ehrenmal nicht nur den lebendigen Tieren zu errichten, sondern auch allen getöteten und verendeten, die jemals auf Rohas weitem Rund wandelten und nun als Geister ihr Dasein fristen. Unzählige kleine Sterne bilden seither einen gewaltigen Pfahl, der sich weit über das Firmament erstreckt. Seine Form erinnert stark an einen Totempfahl und bei genauer Betrachtung fallen einem unzählige Tiergestalten ins Auge, die den langgestreckten Stamm aus schimmernden Sternen zieren. Welche Tiere dort verewigt sind und dem Beobachter sichtbar werden, unterliegt jedoch dem Willen Tapio Bärkönigs und dem der allmächtigen Götter. So erscheint der Pfahl jedem Betrachter auf geheimnisvolle Weise anders und wo der eine einen Wolfskopf sehen mag, sieht ein anderer vielleicht die schlanke Gestalt einer Hirschkuh, wo gerade noch die Silhouette eines Dachses aufschimmerte, befindet sich im nächsten Augenblick das Bild eines edlen Pferdes, wo ein sternglitzernder Fuchs seine Wege zieht, blinkt keinen Herzschlag später das Konterfei eines Bären, und so scheint das ganze Sternbild stetigem Wandel und Wechsel unterworfen. Nur die Pfahlform bleibt stets gleich, so dass das Sternbild des Bärkönigs als Ganzes immer sichtbar bleibt.

Die Tiergeister (c) by Immerlan.de





~ Das Sternbild des Tigers ~

Hoch am Firmament sitzt des nächtens Loas Tiger und hält mit seinen glühenden Augen Wacht. Wenn Loa, die Herrin der Flammen und Göttin des Feuers, ihm befiehlt, so löst er sich von seinem Platz am Himmel und streift majestätisch durch die nächtliche Welt, eine funkelnde Spur aus reinem magischen Feuer hinter sich herziehend. Kinder, die in solchen Nächten geboren werden, sollen besonders temperamentvoll sein und sie bringen vor allen Dingen eine enorme Begabung für die hohe Kunst der Feuermagie mit. Im Volksmund nennt man die Kinder, die im Sternbild des Tigers geboren sind, auch Feuerkinder.

Der Tiger (c) by Immerlan.de





~ Das Sternbild des Vogels ~

Mit Einbruch der Dunkelheit erhebt sich des Nachts am Himmel über den Immerlanden ein gewaltiger Vogel und bedeckt mit seinen majestätisch ausgebreiteten Schwingen weite Teile des Firmaments. Einst entließ ihn Illiri, die Herrin des Sommerwindes und der Vögel, ihren Feenhänden und ließ ihn gen Himmel steigen, damit er an ihrer Seite ihre gefiederten Kinder beschütze, die über Roha fliegen und flattern, schwingen und schwirren. Das Sternbild wacht nun jede Nacht darüber, dass kein Raubtier sich ungeschützten Nestern nähert und Bruträuber und Eierdiebe sich von Illiris Kindern, den Vögeln, fernhalten. Es sorgt dafür, dass jeder in seine Heimat und zu seinem Nest zurückfindet und dass Zugvögel, die weite, weite Strecken hoch über den Immerlanden zurücklegen müssen, sich nie verirren und stets auch an ihrem Ziel ankommen. Die Augen des mächtigen Sternenvogels leuchten von allen Sternen des Bildnisses dabei am hellsten in der Nacht.

Der Vogel (c) by Immerlan.de





~ Das Sternbild der Waagschale ~

Alle Wesen und Geschöpfe der Immerlande unterliegen Gesetzen, sei es den Gesetzen der Natur, den Geboten ihrer Völker und Gemeinschaften, der Städte, der Gilden und Bünde, der Könige und Fürsten, und am allermeisten den Gesetzen der Götter. Viele haben sich der Überwachung jener Regeln und Gesetze verschrieben und unzählige Richter und Rechtssprecher bemühen sich fortwährend darum, statthafte Urteile zu finden, für die Wahrung der Gerechtigkeit einzustehen und Gesetzlose in ihre Schranken zu weisen und für ihre Untaten zur Rechenschaft zu ziehen. Als Sinnbild für all jene, die unermüdlich um Recht und Ordnung kämpfen, bannten die Götter einst die Waagschale an das nächtliche Firmament, als Symbol der Gerechtigkeit und Zeichen Rhylins, eines Archonen des allmächtigen Shenrah.

Die Waagschale (c) by Immerlan.de





~ Das Sternbild der Winterrose ~

In einem Jahreslauf vor langer Zeit, als die Welt noch jung war und die Götter ungestüm, verloren Sommer und Herbst schon zeitig und viel zu früh im Jahr ihren Kampf gegen den eisigen Chòl mit seinen stürmischen, kalten Winterwinden. Das Land war lange noch nicht bereit für ihn und nicht alle Pflanzen hatten sich schon auf den langen Winterschlaf vorbereitet, so auch eine letzte, spätblühende Rose. Gnadenlos ließ Chòl seine Eiswinde über das Land fegen und die herrliche Blüte wurde gänzlich von einer schimmernden Hülle aus Eis eingeschlossen. Ihre Schönheit und ihr Anblick - ein letzter Hauch des Sommers, gefangen und eingefroren in glitzerndem Eis - faszinierte Chòl so sehr, dass er in seinem Wüten einen Augenblick innehielt und die Götter um einen Platz im Himmel für diese himmlische Pracht bat. Seither ist am Nachthimmel jene vereiste Rose zu sehen, welche große Schönheit, aber auch Vergänglichkeit symbolisieren soll.






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