Besonders hervorgetan hat sich in der Kartographie ein Brüderpaar aus dem laiginischen Örtchen Monadh, Perigh und Ealan Drainghion, die Zeit ihres Lebens den gesamten Kontinent durchquerten, vermaßen und in akribischen Zeichnungen auf Pergament festhielten. Mehr als fünfzig Jahrestänze lang bereisten sie die Immerlande in alle Himmelsrichtungen, von den Eisigen Öden hoch im Norden bis zu den Tafarabergen tief im Süden Azuriens, vom Stillen Ozean im Osten bis zu den Silbermeerküsten im Westen. Doch trotz ihrer lebenslangen Bemühungen blieb die Kartensammlung voller beträchtlicher Lücken, denn etliche Gebiete der Immerlande wie beispielsweise die Reiche der Elben oder der Zwerge sind Menschen gar nicht zugänglich, andere wiederum nur unter Lebensgefahr zu bereisen, und einige wie etwa die Dschungelinseln im Südmeer, waren zu Lebzeiten der Brüder um das Jahr 2000 des vierten Zeitalters bei den Menschenvölkern noch gar nicht bekannt. Dennoch sind ihre Arbeiten von unschätzbarem Wert, denn sie legten mit ihrer Kartensammlung den Grundstein für alle nachfolgenden Kartographen.
Unter diesen befand sich im 2. Jahrhundert des 5. Zeitalters mit Josselin van Govert ein weiterer bekannter Name. Der rhaínländische Schriftgelehrte und Kartograph aus Lismont im Herzogtum Skagen trug jahrelang Landkarten aus allen Herren Ländern zusammen, vervollständigte so die Sammlung der Gebrüder Drainghion, zeichnete alles neu auf feinstes Hellegrynder Papier und ließ die Blätter zu einem Folianten binden – der erste Atlas der bekannten Welt war somit entstanden. Josselin van Govert schuf auch die erste Karte des gesamten Kontinents, die sogenannte Cartaroha.
Der weitaus wichtigste und berühmteste Kartenmacher, der je in den Immerlanden gelebt hat, war jedoch Tiassul'Tasnystur, ein Drache, der im dritten Zeitalter in Menschengestalt wirkte. Nach Rhylins gestrengem Urteil im Jahre 111 DZ, das die Drachen für ihren Hochmut büßen ließ und dazu verdammte, ein Zeitalter lang als Menschen unter Sterblichen zu wandeln, war er einer der wenigen, die bittere Reue zeigten und versuchten, alte Fehler wieder gut zu machen, indem sie den Menschen ihr schier unendliches Wissen zur Verfügung stellten. Viele hundert Jahre zog er ziellos über den Kontinent, bis er schließlich eine Möglichkeit fand, angemessen Buße zu tun und zu Beginn des Vierten Zeitalters in der sagenhaften Bibliothek von Qum'Ran zu wirken begann. Einst hatte er in seiner Drachengestalt den Kontinent überflogen, hoch am Himmel seine Kreise über den Immerlanden gezogen, Wälder und Flüsse, Berge und Ozeane überquert, und war er auch durch Rhylins Urteil seiner Magie und seiner Drachenkräfte beraubt, so schlummerte doch sein gewaltiges Wissen über Land und Wasser noch immer in seinem Geist.
So begann Tiassul'Tasnystur, mit dem unendlichen Gedächtnis aller Drachen gesegnet, alles, was er hoch oben aus den Lüften gesehen hatte, aufs Genaueste niederzulegen und aufs Pergament zu bringen. Niemand schuf je schönere und präzisere Karten als dieser Drache in Menschengestalt. Die Bibliothek von Qum Ran wusste sehr wohl um diese wertvollen Schätze und hortete sie in ihren Hallen, kaum eine der prächtigen Drachenkarten verließ je ihre Mauern und man gab allerhöchstens Abschriften davon aus der Hand. Selbst nach der Aufhebung von Rhylins Bann im Jahr 1705 des Dritten Zeitalters, als die Drachen ihre wahre Gestalt zurückerhalten hatten, blieb Tiassul'Tasnystur Qum Ran, das inzwischen längst zu seiner Heimat geworden war, treu und wirkte dort in Menschengestalt weiter. Als Qum Ran im Jahr 2734 des Vierten Zeitalters fiel und die Stadt und die ehrwürdigen Hallen der Bibliothek geschleift und dem Erdboden gleichgemacht wurden, fand Tiassul'Tasnystur seinen Tod und die kostbaren Karten schienen in den Wirren von Chaos und Zerstörung verschwunden zu sein.
Doch nach wie vor kursieren Gerüchte um ihren Verbleib. Es heißt, sie konnten von den Schreibern und Gelehrten der Bibliothek noch in Sicherheit gebracht werden, bevor Qum Ran fiel, doch scheint niemand Genaues darüber zu wissen. Immer wieder tauchen rätselhafte Hinweise auf die Karten auf, doch gefunden hat sie bislang noch nie jemand, obwohl förmlich eine ganze Horde Abenteurer und Schatzsucher und auch der eine oder andere reiche Fürst hinter ihnen her ist. Denn – und das macht sie so wertvoll und praktisch unbezahlbar – auf ihnen ist der Süden der Immerlande noch so dargestellt, wie er vor den großen Zerstörungen durch Sethenes und den Dunklen ausgesehen hatte, mitsamt den genauen Standorten all der inzwischen vergessenen Paläste, Tempel und Schatzkammern, die nun unter dem Wüstensand Azuriens und der Rubinküste verborgen liegen. Wer also eine der legendären Drachenkarten in die Hand bekommt und es wagt, zu diesen verlorenen Orten vorzudringen, den erwartet unermesslicher Reichtum. So mag es nicht verwundern, dass die reichen Fürsten des Südens, wohlhabende Hansekaufleute oder auch allerlei zwielichtiges Pack immer wieder Abenteurer anheuern, die nach dem Verbleib der Karten forschen sollen.